Kulturgießerei Veranstaltung Kasper, Siegfried, SED Kasper_Siegfried_SED

Kasper, Siegfried, SED


Peter Waschinsky

Theater
Samstag 17.09.2016
Start: 20:45 Uhr

Peter Waschinsky Solo


* Kasper & Kintopp, Politik & Polizei, Brecht & Brettl
* komisch-kritische Puppenszenen aus 35 Jahren: 1980, 1989, 2015
* & 2 Filme nach Bert Brecht und Fritz Lang, mit und ohne DEFA, mit Hermann Beyer

Es beginnt mit historischen Kasperszenen aus „Kasparett“ von 1979 - das Krokodil Sozialismus frisst den Teufel Kapitalismus. Kurz danach kam Waschinskys Brecht-Inszenierung „Furcht und Elend des III. Reiches“ heraus, bis heute oft als maßstabsetzend genannt. Aus ihr entstand der Film „Rechtsfindung“ mit Marionetten und DEFA-Stars wie Hermann Beyer und Christine Harbort. Kritisch-komisch ist die Szene von 1989/90 „Kasper auf der Demo“, weiter geht es mit „Multikulti“, mit Nazi und Türke. Zum Schluß spielen der alte Fritz und Zarah L. im absurden Flughafen-Drama. Vorher gibt’s sogar noch ein Ballett! Und: Den letzten größeren unabhängigen Film der DDR von 1989, „SIEGFRIED“. Die DEFA wollte ihn nach Fast-Eklat mit dem Brecht-Film nicht machen, alle Unterlagen verschwanden - also wurde ein Stummfilm mit Live-Ton draus: Trommeln und Pfeifen mitbringen!

Peter Waschinsky war immer bekennender Puppenspieler – aus Presseurteilen wie Fachbüchern usw. ist zusammenzufassen, daß er unter den besten deutschen Puppenspielern wohl der vielseitigste ist. Er machte Puppen-Cabaret bis Kabarett und Straßentheater (als dies in der DDR eher halblegal war), aber als erster DDR-Puppenspielregisseur auch Brecht, weiterhin Goethe (Faust), Dürrenmatt, Volker Braun.
Er macht(e) auch Filme. Ungewöhnliche Märchen-Puppenspielfilme 1981 – 84 bei der DEFA, dort aber auch 1985 eine Brecht-Verfilmung: „Rechtsfindung“, mit Puppen und DEFA-Stars wie Hermann Beyer und Christine Harbort, die Waschinsky als Puppenspieler kannten und schätzten und seine für damals gewagten formalen Vorstellungen bereitwillig umsetzten. Dieser Film brachte den Bruch mit der DEFA: Was darin eher moderate Kritik war an Menschen-Manipulation nicht nur im III. Reich – wurde in seiner Stasi-Akte als massive DDR-Feindlichkeit gedeutet einschließlich Verbots-Forderung; der Film konnte kaum gezeigt werden und blieb Geheimtip.
Da der folgende Film bei der DEFA nicht mehr zu machen war – aber Waschinsky hatte seinerseits auch die Eingriffsversuche satt – machte er SIEGFRIED auf Anraten von Freunden als 16-mm-Eigenproduktion – und war selbst erstaunt, daß das in der DDR ging. Natürlich war es auf dem damaligen Stand der Filmtechnik ungemein schwierig. Gedreht wurde im Sommer 1989, alle arbeiteten umsonst. Bei aller Phantasie spürt man dem Film manchmal finanziell gesetzte Grenzen an. Als Stummfilm war er allerdings von vornherein geplant. Nämlich so, daß er als Programmteil mit Live-Ton in Theaterabenden einzusetzen war – wie es jetzt auch geschieht.
Der Schmetterling am Faden zu Anfang sagt deutlich: Nehmt nicht alles an diesem Film zu ernst, wir mußten selbst über manches durchschaubar „Selbstgemachte“ beim Drehen lachen und hoffen, ihr lacht mit! Ernste Momente gibt es, ja man kann die von Siegfried ausgelöste Bauernrevolte, die er später selber abwürgt, auch als Vorausschau des Kommenden deuten.


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